{"id":700,"date":"2025-03-14T12:33:33","date_gmt":"2025-03-14T12:33:33","guid":{"rendered":"https:\/\/andreasbraune.de\/?p=700"},"modified":"2025-03-17T10:24:00","modified_gmt":"2025-03-17T10:24:00","slug":"mehr-demokratie-wagen-mit-dem-wahlrecht-der-weimarer-republik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.andreasbraune.de\/?p=700","title":{"rendered":"Mehr Demokratie wagen? Mit dem Wahlrecht der Weimarer Republik!"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn schon &#8222;Weimarer Verh\u00e4ltnisse&#8220;, dann immerhin auch im Wahlrecht. Was zun\u00e4chst etwas abwegig und gewagt klingt, k\u00f6nnte unserer Demokratie gut tun. Denn das Wahlrecht der Weimarer Republik ist besser als sein Ruf. Was w\u00e4re, wenn wir es wieder einf\u00fchren?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-x-large-font-size\" id=\"0-wie-repr%C3%A4sentativ-ist-der-neue-bundestag\">Wie repr\u00e4sentativ ist der neue Bundestag?<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 sind die Debatten um das Wahlrecht in Deutschland nicht verstummt. Eher im Gegenteil. Zwar hat die Wahlrechtsreform der vergangenen Legislaturperiode ihr wesentliches Ziel erreicht: Die Gr\u00f6\u00dfe des Bundestages wurde effektiv beschr\u00e4nkt. Statt der zuletzt 735 Abgeordneten umfasst der neue Bundestag nun 630 Parlamentarierinnen und Parlamentarier.<sup data-fn=\"3cb8bb73-e14b-46be-8e58-3d319902e828\" class=\"fn\"><a href=\"#3cb8bb73-e14b-46be-8e58-3d319902e828\" id=\"3cb8bb73-e14b-46be-8e58-3d319902e828-link\">1<\/a><\/sup> F\u00fcr Unmut sorgt nun allerdings, dass 23 Direktkandidatinnen und -kandidaten der Einzug in den Bundestag verwehrt bleibt, obwohl sie in ihrem Wahlkreis die meisten Stimmen errungen haben. Hinzu kommt eine fragw\u00fcrdige Wirkung der 5%-H\u00fcrde. Da neben vielen &#8217;sonstigen&#8216; Parteien auch die FDP und das BSW an der Sperrklausel scheiterten, verfielen fast 7 Millionen Stimmen. Das ist fast die Einstellung des Rekords von 2013, als FDP und AfD sehr knapp die 5% verfehlten.<sup data-fn=\"3eda469e-87af-48c1-81b7-9a646d267506\" class=\"fn\"><a href=\"#3eda469e-87af-48c1-81b7-9a646d267506\" id=\"3eda469e-87af-48c1-81b7-9a646d267506-link\">2<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6a024157109e2&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6a024157109e2\" class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized has-custom-border is-style-default wp-lightbox-container\" id=\"wp-block-themeisle-blocks-image-aac1e013\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"494\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bild5-3-1024x494.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-704\" style=\"border-width:1px;width:800px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bild5-3-1024x494.png 1024w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bild5-3-300x145.png 300w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bild5-3-768x371.png 768w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bild5-3-1536x741.png 1536w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bild5-3-2048x988.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Art. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/F%C3%BCnf-Prozent-H%C3%BCrde_in_Deutschland#Verfallene_Zweitstimmen_(Bundestagswahl)\">&#8222;F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde in Deutschland&#8220;<\/a> und die dortigen Quellen beim Bundeswahlleiter. Gut sichtbar auch: Die heile Welt der alten Bundesrepublik, insbesondere der 1970er und 80er Jahre. Das Problem wuchs nach 1990 nicht allein aufgrund der vergr\u00f6\u00dferten W\u00e4hlerschaft, wie die hohen prozentualen Werte nach 1990 zeigen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Genau genommen finden im neuen Bundestag die Stimmen von 6.815.239 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern kein Geh\u00f6r &#8211; fast jede\/r 7. W\u00e4hler\/in. Das Prinzip der Repr\u00e4sentativit\u00e4t &#8211; nicht gerade unerheblich in einer <em>repr\u00e4sentativen <\/em>Demokratie &#8211; ist damit schwer besch\u00e4digt. Das sieht man etwa auch daran, dass zur Zeit zwei Fraktionen eine Regierung bilden, deren gemeinsames Wahlergebnis sich nur auf 45,0% der Zweitstimmen bel\u00e4uft, w\u00e4hrend sie zusammen 54,7% der Sitze des Bundestages einnehmen. M\u00f6glich wird das nur durch die Festsetzung einer Soll-Gr\u00f6\u00dfe des Bundestages einerseits und der Entwertung so vieler Zweitstimmen andererseits. Denn davon profitieren die dann einziehenden Parteien erheblich. Wenn aber eine Minderheit allein durch den Zuschnitt des Wahlrechts mehrheitsf\u00e4hig wird, ist das problematisch, in Demokratien mit Verh\u00e4ltniswahlrecht erst recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kosmetischen Korrekturen am Wahlrecht haben also zwar zun\u00e4chst ein Problem gel\u00f6st, aber damit neue geschaffen und alte verdr\u00e4ngt. \u00dcberhaupt fragt sich, wie zeitgem\u00e4\u00df unser Mischsystem aus Mehrheits- und Verh\u00e4ltniswahlrecht noch ist. Zumal die Bedeutung der Erststimme und damit der Anteil des Mehrheitswahlrechts an unserem Mischsystem weiter reduziert wurde, so dass es als solches kaum noch zu erkennen ist. Mittlerweile k\u00f6nnen sich W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler nicht einmal mehr sicher sein, dass ihr Wahlkreis vertreten sein wird, und manche Direkt-Kandidierende schaffen den Einzug mit Ergebnissen um die 25%, also mit eher fragw\u00fcrdiger demokratischer Legitimation. Faktisch haben wir schon jetzt fast ein reines Verh\u00e4ltniswahlrecht, trauen uns nur nicht, es auch so zu nennen und so zu organisieren. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-x-large-font-size\" id=\"1-tsch%C3%BCss-erststimme-hallo-weimarer-wahlrecht\">Tsch\u00fcss Erststimme, hallo Weimarer Wahlrecht!<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie w\u00e4re es also mit einer kleinen Wahlrechtsrevolution und der Einf\u00fchrung eines reinen Verh\u00e4ltniswahlrechts? Eine sch\u00f6ne Pointe k\u00f6nnte dabei sein, dass ausgerechnet eine Orientierung an der Weimarer Republik uns dabei helfen k\u00f6nnte. Das w\u00e4re sogar gleich doppelt am\u00fcsant: Erstens, weil gerade viel von &#8222;Weimarer Verh\u00e4ltnissen&#8220; die Rede ist. Gemeint sind damit immer der Zustand unserer Demokratie und die Gefahren, denen sie durch den Aufstieg von Rechtspopulisten und -extremisten ausgesetzt ist. Der Begriff ist als Warnsignal gemeint, nicht gerade als Einladung, in Sachen Demokratie von &#8218;Weimar&#8216; zu lernen. Zweitens, weil einige der Grundfesten der alten Bundesrepublik auf vermeintlichen &#8218;Lehren aus Weimar&#8216; beruhen. Man kennt es hinl\u00e4nglich aus dem Geschichts- und Politikunterricht: Der Verzicht auf die Direktwahl des Bundespr\u00e4sidenten und die Einf\u00fchrung der 5%-H\u00fcrde gaben der Bundesrepublik die politische Stabilit\u00e4t, die Weimar nie kannte &#8211; so die mittlerweile ins Wanken geratene Meistererz\u00e4hlung der Bonner Republik. Auch das Mischsystem im Wahlrecht wird oft zu diesen &#8218;Lehren aus Weimar&#8216; gez\u00e4hlt. Es w\u00e4re nicht ohne eine gewisse Ironie der Geschichte, wenn wir nun wieder etwas &#8218;mehr Weimar wagen&#8216; w\u00fcrden, um den Weimarer Verh\u00e4ltnissen zu entgehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-x-large-font-size\" id=\"2-die-wahlrechtsrevolution-von-1918-1920\">Die Wahlrechtsrevolution von 1918-1920<\/h2>\n\n\n\n<p>Als 2019 die Jubil\u00e4en zur Gr\u00fcndung der ersten deutschen Demokratie gefeiert wurden, war die Einf\u00fchrung des Frauenwahlrechts 1919 einer der zentralen Punkte, die \u2013 zu Recht \u2013 als gro\u00dfe Errungenschaften der Novemberrevolution und Republikgr\u00fcndung herausgestrichen wurden. Im Nebensatz fand dann oftmals noch Erw\u00e4hnung, dass daneben auch Soldaten und Empf\u00e4nger von Armenf\u00fcrsorge erstmals w\u00e4hlen durften und dass das Wahlalter von 25 auf 20 Jahre gesenkt wurde. Das bedeutete damals fast eine Verdreifachung der W\u00e4hlerschaft und steht exemplarisch f\u00fcr den demokratischen Aufbruch von 1919.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\" style=\"padding-top:var(--wp--preset--spacing--20);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--20)\"><blockquote><p><em>\u201eAlle Wahlen zu \u00f6ffentlichen K\u00f6rperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems f\u00fcr alle mindestens 20 Jahre alten m\u00e4nnlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.\u201c<\/em><\/p><cite>Aufruf &#8222;An das Deutsche Volk&#8220; des Rats der Volksbeauftragten, 12. Nov. 1918<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ein wesentliches Element dieser \u201eWahlrechtsrevolution\u201c von 1918\/19 hatten aber nur echte Wahlrechts-Nerds einen Blick. Denn mit dem Aufruf \u201eAn das deutsche Volk!\u201c wurde nicht nur die Grundgesamtheit der W\u00e4hlenden erheblich erweitert, sondern auch das reine Mehrheitswahlrecht des Kaiserreichs durch ein reines Verh\u00e4ltnis\u00adwahlrecht abgel\u00f6st. Das wesentliche Ziel dieses Schrittes war es, die Vielfalt der gesellschaftlichen und politischen Interessen in den Parlamenten besser abbilden zu k\u00f6nnen, als dies durch die reine Mehrheitswahl bis dahin m\u00f6glich war. Auch die Repr\u00e4sentation von Minderheitsmeinungen sollte gew\u00e4hrleistet sein. Die demokratischen Akteure sprachen in den Jahren der Republikgr\u00fcndung daher immer wieder und nicht ganz unberechtigt vom \u201edemokratischsten Wahlrecht\u201c der Welt, denn das Verh\u00e4ltnis\u00adwahlrecht hatte bis dahin kein gr\u00f6\u00dferer demokratischer Staat eingef\u00fchrt, erst recht nicht in Kombination mit dem Frauenwahlrecht. Am 19. Januar 1919 kam es erstmals reichsweit bei der Wahl zur Nationalversammlung zur Anwendung. Die von ihr am 31. Juli 1919 verabschiedete Verfassung schrieb dann auch dieses Wahlrecht f\u00fcr das Reichs- und die Landesparlamente (<a href=\"https:\/\/www.verfassungen.de\/de19-33\/verf19-i.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art 22 &amp; Art. 17<\/a>) vor, und die Nationalversammlung buchstabierte es dann mit dem <a href=\"http:\/\/www.documentarchiv.de\/wr\/1920\/reichswahlgesetz_1920.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Reichswahlgesetz<\/a> vom 27. April 1920 noch im Detail aus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-x-large-font-size\" id=\"3-keep-it-simple-60000-stimmen-1-mandat\">Keep it simple: 60.000 Stimmen = 1 Mandat<\/h2>\n\n\n\n<p>Doch wie funktionierte das Wahlrecht damals genau? Die grundlegende Maxime ist denkbar einfach: F\u00fcr 60.000 Stimmen erhielt eine Partei ein Mandat. \u00c4hnlich wie heute auch stellten die Parteien Listen mit Kandidierenden auf, die dann entsprechend dem Wahlerfolg in den Reichstag einzogen. Der wesentliche Unterschied: Anders als heute gab es keine Landeslisten. Stattdessen war das Reich in insgesamt 35 Wahlkreise aufgeteilt, und in jedem dieser Wahlkreise stellten die Parteien eigene Listen auf. Jede Partei also 35 Listen, wenn sie \u00fcberall im Reich antrat. Der Zuschnitt der Wahlkreise sah so aus:<\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6a02415714a4a&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6a02415714a4a\" class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized has-custom-border is-style-default wp-duotone-unset-1 wp-lightbox-container\" id=\"wp-block-themeisle-blocks-image-04acc818\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"969\" height=\"748\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Wahlkreise_Weimar.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-705\" style=\"border-width:1px;width:800px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Wahlkreise_Weimar.png 969w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Wahlkreise_Weimar-300x232.png 300w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Wahlkreise_Weimar-768x593.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 969px) 100vw, 969px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Wahlkreise_Weimar.png\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wikimedia Commons<\/a>. Auff\u00e4llig ist auch der Zuschnitt der Wahlkreise, der &#8211; anders als die L\u00e4ndergrenzen der Weimarer Republik &#8211; schon sehr an den Zuschnitt der heutigen L\u00e4nder erinnert (westlich der Oder-Nei\u00dfe-Grenze).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Denkbar einfach auch: Jede W\u00e4hlerin und jeder W\u00e4hler hatte bei der Wahl eine Stimme. Anschlie\u00dfend erfolgte die Vergabe der Reichstagsmandate in drei Schritten:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wahlkreise.<\/strong> Jede Liste \/ Partei erhielt in einem Wahlkreis zun\u00e4chst so viele Mandate, wie sie ein Vielfaches von 60.000 Stimmen erzielte. Erreichte eine Partei bspw. 225.000 Stimmen in einem Wahlkreis, zogen die ersten drei Listenpl\u00e4tze f\u00fcr die 180.000 erzielten Stimmen in den Reichstag ein. F\u00fcr Platz 4 w\u00e4ren 240.000 Stimmen n\u00f6tig gewesen, so dass dieser zun\u00e4chst leer ausging.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wahlkreisverb\u00e4nde.<\/strong> Der Rest von 45.000 Stimmen verfiel nun aber nicht. Denn an dieser Stelle kamen die sogenannten &#8222;Wahlkreisverb\u00e4nde&#8220; ins Spiel, in der Abbildung mit den r\u00f6mischen Ziffern gekennzeichnet. In einem solchen Wahlkreisverband waren zwei oder drei Wahlkreise verbunden, und hier erfolgte nun eine erste Verrechnung der Reststimmen. Kamen bei der Addition der Reststimmen aus den zusammengeschlossenen Wahlkreisen noch einmal 60.000 Stimmen f\u00fcr die miteinander verbundenen Listen zustande, bedeutet dies ein weiteres Mandat, und zwar f\u00fcr die Liste aus dem Wahlkreis, die die meisten Reststimmen in die Verrechnung einbrachte (an Details war gedacht: bei Gleichstand entschied das Los). Um bei dem Beispiel von Schritt 1 zu bleiben: bringt die verbundene Liste aus dem Partnerwahlkreis bspw. 17.000 Stimmen mit ein, w\u00fcrde auch Platz 4 der Liste nun einziehen. Bringt der Partnerwahlkreis aber 50.000 Stimmen ein, profitiert dort der in Schritt 1 leer ausgegangene Listenplatz.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Reichsliste.<\/strong> Auch nach Schritt 2 wird es Reststimmen geben. Auch diese verfallen nicht, denn nun kommt die Reichsebene ins Spiel. Hier stellten die Parteien &#8222;Reichslisten&#8220; auf. Bei diesem dritten Schritt konnten noch einmal Kandidierende ein Mandat pro 60.000 Stimmen erhalten, die sich aus der Addition aller Reststimmen aus allen Wahlkreisen ergaben. Ein &#8218;letztes&#8216; Mandat gab es sogar noch f\u00fcr einen Rest von mehr als 30.000 Stimmen, so dass bei jeder gr\u00f6\u00dferen einziehenden Partei am Ende nur die allerletzten Stimmen (max. 30.000) verfielen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"4-weimar-hatte-eine-sperrklausel\">Weimar hatte eine &#8222;Sperrklausel&#8220;<\/h2>\n\n\n\n<p>Wichtig ist, dass es bei dieser Verrechnung in drei Schritten entgegen historischer Mythen Regelungen gab, die eine \u00e4hnliche Wirkung wie unsere 5%-Sperrklausel hatten, die jedoch etwas flexibler (und im Regelfall niedriger) waren. \u00dcber die Reichsliste konnten etwa nur so viele Abgeordnete in den Reichstag einziehen, wie es schon in den Schritten 1 und 2 geschafft hatten. Kleine Parteien konnten also nicht all ihre Stimmen auf einer Reichsliste anrechnen lassen, sondern mussten erst einmal in den Wahlkreisen erfolgreich sein. Und auch auf Ebene der Wahlkreise musste man die Schwelle von 30.000 Stimmen \u00fcberschreiten, um \u00fcberhaupt in der Verrechnung ber\u00fccksichtigt zu werden. In einem theoretischen Extremfall hie\u00dfe das, dass eine Partei in allen 35 Wahlkreisen je 29.999 Stimmen erh\u00e4lt, mit insgesamt 1.049.965 Stimmen aber nicht in den Reichstag einziehen w\u00fcrde. Das entspr\u00e4che 17 Mandaten. Eine der Wirklichkeit entnommene Beispielrechnung zeigt: Durch diese flexible Sperrklausel und die wenigen verfallenden Reststimmen bei den einziehenden Parteien verfielen bei der Reichstagswahl 1928 insgesamt immerhin 803.053 Stimmen, oder 2,7% der g\u00fcltigen Stimmen. Das entspricht in etwa dem Anteil der verfallenen Stimmen in den ersten Jahren der Bundestagswahl mit 5%-H\u00fcrde in den 1950er und 60er Jahren (siehe Abbildung oben).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"5-verdien-dir-deine-mandate\">Verdien&#8216; Dir Deine Mandate!<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein wesentlicher &#8211; und sehr charmanter &#8211; Unterschied dieses Wahlsystems zu unserem heutigen besteht neben seiner Einfachheit auch darin, dass es keine festgelegte oder Soll-Gr\u00f6\u00dfe des Reichstages gab. Vielmehr mussten sich die Parteien jedes einzelne Mandat an der Wahlurne verdienen. Die Gr\u00f6\u00dfe des Reichstages hing unmittelbar mit der Wahlbeteiligung zusammen: Je mehr Menschen ihre Stimme abgaben, desto mehr Mandate wurden auch vergeben:<\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6a024157165dd&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6a024157165dd\" class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized has-custom-border wp-lightbox-container\" id=\"wp-block-themeisle-blocks-image-d9991fe9\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"656\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Groesse-des-Reichstages-1-1024x656.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-707\" style=\"border-width:1px;width:800px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Groesse-des-Reichstages-1-1024x656.png 1024w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Groesse-des-Reichstages-1-300x192.png 300w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Groesse-des-Reichstages-1-768x492.png 768w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Groesse-des-Reichstages-1-1536x985.png 1536w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Groesse-des-Reichstages-1.png 1830w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.gonischor.de\" data-type=\"link\" data-id=\"www.gonischor.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.gonischor.de<\/a> und die dort genannten Stellen des Statistischen Jahrbuchs des Deutschen Reichs. Die Abweichung 1919 begr\u00fcndet sich dadurch, dass zur Wahl der Nationalversammlung noch ein leicht abweichendes Verfahren verwendet wurde und das Reichswahlgesetz erst f\u00fcr die Wahl 1920 galt.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"6-wie-s%C3%A4he-dieses-wahlrecht-heute-aus-\">Wie s\u00e4he dieses Wahlrecht heute aus? <\/h2>\n\n\n\n<p>Und nun wird es ernst: Was w\u00e4re, wenn wir dieses Wahlrecht in \u00e4hnlicher Form heute nutzen w\u00fcrden? Zwei wichtige Fragen w\u00e4ren zun\u00e4chst zu kl\u00e4ren: Wie m\u00fcssten die Wahlkreise aussehen? Und wie viele Stimmen sollen f\u00fcr eine\/n Abgeordnete\/n n\u00f6tig sein?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"7-herzlich-willkommen-43-wahlkreise-f%C3%BCr-die-listenwahl\">Herzlich willkommen: 43 Wahlkreise f\u00fcr die Listenwahl!<\/h2>\n\n\n\n<p>Zur Beantwortung der ersten Frage w\u00e4ren die neuen demografischen Gegebenheiten zu ber\u00fccksichtigen. 1919 lebten in Deutschland ca. 60 Millionen Menschen, 1933 immerhin schon 66 Millionen Menschen. Heute sind es fast 85 Millionen. Die Gr\u00f6\u00dfe der damals 35 Wahlkreise variierte zwischen ca. 900.000 und bis zu 2,6 Millionen Einwohnern.<sup data-fn=\"45ad2189-1d62-4d4e-a23e-46eb80d73b7b\" class=\"fn\"><a href=\"#45ad2189-1d62-4d4e-a23e-46eb80d73b7b\" id=\"45ad2189-1d62-4d4e-a23e-46eb80d73b7b-link\">3<\/a><\/sup> Von daher b\u00f6ten sich heute 43 Wahlkreise mit jeweils etwa 2 Millionen Einwohnern an, was dann ungef\u00e4hr so aussehen k\u00f6nnte:<\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6a02415717f36&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6a02415717f36\" class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized has-custom-border wp-lightbox-container\" id=\"wp-block-themeisle-blocks-image-a9a5f0b5\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"827\" height=\"1024\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/moegliche-Verteilung-der-Wahlkreise-3-827x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-729\" style=\"border-width:1px;width:400px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/moegliche-Verteilung-der-Wahlkreise-3-827x1024.png 827w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/moegliche-Verteilung-der-Wahlkreise-3-242x300.png 242w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/moegliche-Verteilung-der-Wahlkreise-3-768x950.png 768w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/moegliche-Verteilung-der-Wahlkreise-3.png 1208w\" sizes=\"auto, (max-width: 827px) 100vw, 827px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Bevoelkerungsstand\/Tabellen\/bevoelkerung-nichtdeutsch-laender.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Statistisches Bundesamt<\/a>. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die bev\u00f6lkerungsschwachen Bundesl\u00e4nder und der Stadtstaat Hamburg w\u00fcrden demnach weiter mit Landeslisten arbeiten,<sup data-fn=\"950eb4b6-a124-47ac-82ad-c0819ca84d22\" class=\"fn\"><a href=\"#950eb4b6-a124-47ac-82ad-c0819ca84d22\" id=\"950eb4b6-a124-47ac-82ad-c0819ca84d22-link\">4<\/a><\/sup> w\u00e4hrend die gr\u00f6\u00dferen L\u00e4nder mehrere Wahlkreise einrichten k\u00f6nnten.<sup data-fn=\"5339ab02-5257-4fda-b0eb-469c62c5a22b\" class=\"fn\"><a href=\"#5339ab02-5257-4fda-b0eb-469c62c5a22b\" id=\"5339ab02-5257-4fda-b0eb-469c62c5a22b-link\">5<\/a><\/sup> Dort k\u00f6nnten die Landesverb\u00e4nde der Parteien dann dementsprechend mehrere Listen aufstellen, je nach dem, wie viele Wahlkreise es gibt. Die kleineren Bundesl\u00e4nder k\u00f6nnten sich zudem gegenseitig st\u00e4rken, indem sie untereinander Wahlkreisverb\u00e4nde bilden (z.B. SH, Hamburg und MV; Brandenburg und Berlin; Saarland und RP; Th\u00fcringen und SA). Insgesamt h\u00e4tte dieses System mit ca. 43 Wahlkreisen einen wesentlichen Vorzug gegen\u00fcber dem bisherigen Zweitstimmensystem: n\u00e4mlich deutlich mehr regionale Gliederung als mit nur 16 Landeslisten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"8-zahlen-bitte-75000-stimmen-1-mandat\">Zahlen bitte: 75.000 Stimmen = 1 Mandat<\/h2>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chstes m\u00fcsste \u00fcber das Quorum f\u00fcr das Erringen eines Mandats nachgedacht werden. Nimmt man als Orientierung die Richtgr\u00f6\u00dfe von etwa 600 Abgeordneten f\u00fcr den Bundestag und die Zahl der abgegebenen Zweitstimmen der letzten Bundestagswahlen als Grundlage, bietet sich die Zahl von 75.000 Stimmen an. (80.000 k\u00f6nnten sinnvoll werden, sollte unsere Migrationsgesellschaft in den n\u00e4chsten Jahren \/ Jahrzehnten auf \u00fcber 86 oder 87 Mio. anwachsen&#8230;). Nehmen wir einmal an, dieses Weimarer Wahlrecht h\u00e4tte schon seit 1990 gegolten, h\u00e4tte sich die Gr\u00f6\u00dfe des Bundestages seitdem wie folgt entwickelt (orange) &#8211; auch im Vergleich zur realen Gr\u00f6\u00dfe des Bundestages (gr\u00fcn):<\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6a024157199fc&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6a024157199fc\" class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized has-custom-border wp-lightbox-container\" id=\"wp-block-themeisle-blocks-image-2fc414f1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"773\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Entwicklung-BT-Groesse-1-1024x773.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-710\" style=\"border-width:1px;width:800px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Entwicklung-BT-Groesse-1-1024x773.png 1024w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Entwicklung-BT-Groesse-1-300x227.png 300w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Entwicklung-BT-Groesse-1-768x580.png 768w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Entwicklung-BT-Groesse-1-1536x1160.png 1536w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Entwicklung-BT-Groesse-1.png 2031w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/36658\/umfrage\/wahlbeteiligung-bei-den-bundestagswahlen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Statistisches Bundesamt<\/a> und eigene Berechnungen. F\u00fcr die Berechnung nach Weimarer Wahlrecht wurde die Gesamtzahl der Zweitstimmen um 2% reduziert, um den Sperrklauseleffekt bei den Verrechnungsregeln zumindest etwas zu ber\u00fccksichtigen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Grafik zeigt sehr gut, wie stark die Gr\u00f6\u00dfe des Bundestages im Gegensatz zum derzeit geltenden Wahlrecht an die Wahlbeteiligung gebunden w\u00e4re. Die h\u00f6chste Wahlbeteiligung (82,5%) seit 1990 h\u00e4tte 2025 auch zum gr\u00f6\u00dften Bundestag im wiedervereinigten Deutschland gef\u00fchrt, w\u00e4hrend die gro\u00dfe Flaute von 2009 und 2013 mit entsprechend wenig Mandaten &#8218;bestraft&#8216; worden w\u00e4re. 2017 und 2021 w\u00e4re die Bundestagsgr\u00f6\u00dfe voll im Soll gewesen. Die Debatten um \u00dcberhang- und Ausgleichsmandate danach h\u00e4tte man sich sparen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"9-so-wird-ausgez%C3%A4hlt-ein-rechenbeispiel\">So wird ausgez\u00e4hlt: ein Rechenbeispiel<\/h2>\n\n\n\n<p>Nachdem nun die Wahlkreise und das n\u00f6tige Quorum festgelegt sind, kann gew\u00e4hlt und ausgez\u00e4hlt werden. Eine Beispielrechnung soll verdeutlichen, wie das funktionieren w\u00fcrde. Hierf\u00fcr ziehen wir das gl\u00fccklichste Bundesland zurate und schauen einmal auf einen imagin\u00e4ren &#8222;Wahlkreis Schleswig-Holstein&#8220; und dessen Zweitstimmenergebnis bei der j\u00fcngsten Bundestagswahl:<\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6a0241571ab7e&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6a0241571ab7e\" class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized has-custom-border wp-lightbox-container\" id=\"wp-block-themeisle-blocks-image-142ffbb4\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"657\" height=\"1024\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Beispielrechnung-Schleswig-Holstein-7-657x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-737\" style=\"border-width:1px;width:500px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Beispielrechnung-Schleswig-Holstein-7-657x1024.png 657w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Beispielrechnung-Schleswig-Holstein-7-192x300.png 192w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Beispielrechnung-Schleswig-Holstein-7-768x1197.png 768w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Beispielrechnung-Schleswig-Holstein-7-985x1536.png 985w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Beispielrechnung-Schleswig-Holstein-7.png 1014w\" sizes=\"auto, (max-width: 657px) 100vw, 657px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bundeswahlleiterin.de\/bundestagswahlen\/2025\/ergebnisse\/bund-99\/land-1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bundeswahlleiterin<\/a> und eigene Berechnungen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit fast 1,9 Millionen g\u00fcltigen Stimmen k\u00f6nnte der Wahlkreis auf maximal 25 Abgeordnete kommen. Das entspricht exakt der Zahl der Abgeordneten, die Schleswig-Holstein reell in den 21. Deutschen Bundestag entsendet. Dieses Maximum von 25 m\u00f6glichen Mandaten wird im ersten Vergabeschritt jedoch nicht ausgesch\u00f6pft, doch immerhin 20 Abgeordnete ziehen sicher in den Bundestag ein. Dabei m\u00fcssen bis auf den SSW alle reell im Bundestag vertretenen Parteien zun\u00e4chst auf mindestens ein Mandat verzichten, w\u00e4hrend die FDP mit fast 90.000 Stimmen ihren ersten Listenplatz sicher in den Bundestag bringt (Gl\u00fcckwunsch, Herr Kubicki). Der SSW w\u00fcrde auch ohne Minderheitenklausel den Einzug schaffen, wenn auch nur knapp. Dem BSW fehlen im ersten Vergabeschritt knapp 10.000 Stimmen, doch k\u00f6nnte es sich im zweiten Schritt der Mandatsvergabe Hoffnung auf einen Platz im Bundestag machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn nun erfolgt die Verrechnung von Reststimmen in einem Wahlkreisverband. Anders als bei der PARTEI, den Freien W\u00e4hlern, Volt, der MLPD und dem B\u00fcndnis Deutschland gehen die ca. 65.000 Stimmen des BSW in die Verrechnung ein, da sie \u00fcber der hierf\u00fcr n\u00f6tigen Grenze von 37.500 liegen. Gemessen an der Zahl der g\u00fcltigen Stimmen l\u00e4ge die Verrechnungsh\u00fcrde in diesem Wahlkreis und bei dieser Wahl demnach bei 1,99%.<sup data-fn=\"847c9878-d633-4c93-ac62-9034709c3f85\" class=\"fn\"><a href=\"#847c9878-d633-4c93-ac62-9034709c3f85\" id=\"847c9878-d633-4c93-ac62-9034709c3f85-link\">6<\/a><\/sup> Auch die \u00fcbrigen Parteien geben ihre Reststimme im zweiten Schritt in die Verrechnung im Wahlkreisverband. Hier k\u00f6nnten der SPD, der CDU, den Gr\u00fcnen und der Linken je ein weiteres Mandat winken &#8211; unter zwei Voraussetzungen. Ersten: Die Partnerliste im verbundenen Wahlkreis (bspw. Hamburg) speist ihrerseits die zu 75.000 Stimmen fehlenden Stimmen ein, und zweitens: Die Partnerliste aus Hamburg liefert daf\u00fcr <em>weniger <\/em>Stimmen als die eigene in SH. Denn im umgekehrten Fall w\u00fcrden die Reststimmen aus Schleswig-Holstein der dortigen Liste zu einem zus\u00e4tzlichen Mandat verhelfen. Im g\u00fcnstigsten Fall k\u00f6nnten im zweiten Schritt demnach f\u00fcnf weitere Mandate im gesamten Wahlkreis Schleswig-Holstein vergeben werden. FDP und AfD k\u00f6nnten nicht auf ein zus\u00e4tzliches Mandat hoffen, mit ihren wenigen Reststimmen aber unter Umst\u00e4nden die Partnerlisten in Hamburg unterst\u00fctzen, falls es dort dann zu 75.000 Stimmen reicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die nach dem zweiten Schritt verbliebenen Reststimmen werden anschlie\u00dfend noch auf die &#8222;Bundeslisten&#8220; ihrer Parteien \u00fcbertragen und mit allen Reststimmen aus den \u00fcbrigen Wahlkreisen addiert. Je nach dem, wie viele Reststimmen dort noch zusammenkommen, ziehen entsprechend viele Kandidierende der &#8222;Bundeslisten&#8220; ins Parlament ein. Auch hier gilt: die Stimmen der &#8222;sonstigen&#8220; Parteien, die die Verrechnungsgrenze von 37.500 Stimmen im Wahlkreis nicht erreichen, gehen nicht in die Verrechnung auf Bundesebene ein. Und wie damals auch k\u00f6nnte man festlegen, dass nur so viele Mandate \u00fcber die Bundesliste gewonnen werden k\u00f6nnen, wie zuvor in den Wahlkreisen errungen wurden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-x-large-font-size\" id=\"10-ein-anderer-bundestag-ist-m%C3%B6glich\">Ein anderer Bundestag ist m\u00f6glich!<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die eben beschriebene Art und Weise w\u00fcrde die Mandatsvergabe in allen 43 Wahlkreisen und ihren Wahlkreisverb\u00e4nden funktionieren. Welche Folgen h\u00e4tte dieses angepasste Weimarer Wahlrecht f\u00fcr den gesamten Bundestag? Nimmt man das Zweitstimmenergebnis der letzten Bundestagswahl als Grundlage, w\u00fcrde sich in etwa folgendes Wahlergebnis zeigen:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6a0241571c43b&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6a0241571c43b\" class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized has-custom-border is-style-default wp-lightbox-container\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"553\" height=\"1024\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-3-553x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-766\" style=\"border-radius:0px;width:500px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-3-553x1024.png 553w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-3-162x300.png 162w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-3-768x1421.png 768w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-3-830x1536.png 830w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-3-1107x2048.png 1107w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-3.png 1528w\" sizes=\"auto, (max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized has-custom-border\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"466\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-Legende-1024x466.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-713\" style=\"border-radius:0px;width:400px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-Legende-1024x466.png 1024w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-Legende-300x136.png 300w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-Legende-768x349.png 768w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-Wahl-2025-Legende.png 1438w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bundeswahlleiterin.de\/bundestagswahlen\/2025\/ergebnisse\/bund-99.html\">Bundeswahlleiterin <\/a>und eigene Berechnungen<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Im Detail hei\u00dft das:<\/p>\n\n\n\n<ul style=\"margin-top:var(--wp--preset--spacing--10);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Dunkelgr\u00fcn:<\/strong> Die im 21. Deutschen Bundestag vertretenen Parteien w\u00e4ren auch nach diesem Wahlrecht vertreten, allerdings mit erkennbaren Einbu\u00dfen in der Zahl ihrer Abgeordneten. Das liegt vor allem an der Wiederherstellung des Prinzips der Repr\u00e4sentativit\u00e4t und des Wegfalls einer Normgr\u00f6\u00dfe des Bundestages. Sie w\u00fcrden im Parlament sehr genau entsprechend ihrem Anteil am Wahlergebnis vertreten sein. Die bisherige \u00dcberrepr\u00e4sentation, die 2025 besonders stark ist, entf\u00e4llt. Auch der SSW w\u00fcrde es &#8211; wie oben gesehen &#8211; knapp in den Bundestag schaffen, selbst ohne Sonderregelungen f\u00fcr nationale Minderheiten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Mittelgr\u00fcn: <\/strong>BSW und FDP w\u00fcrden nach dem angepassten Weimarer Wahlrecht sehr sicher in den Bundestag einziehen. Hieraus speist sich auch ein Gro\u00dfteil der Wiederherstellung des Repr\u00e4sentationsprinzips, da ihre ca. 4,5 Mio. Stimmen nun nicht mehr verfallen (unabh\u00e4ngig davon, was man politisch davon halten mag).<\/li>\n\n\n\n<li style=\"margin-top:0;margin-bottom:0\"><strong>Hellgr\u00fcn:<\/strong> Die Freien W\u00e4hler w\u00fcrden sehr wahrscheinlich davon profitieren, dass das Weimarer Wahlrecht regionale Konzentration belohnt. Aufgrund ihrer starken Pr\u00e4senz in Bayern (von den 769.170 Stimmen kamen 461.183 aus dem Markus-S\u00f6der-Land) k\u00f6nnten sie darauf hoffen, in den 6 oder 7 bayerischen Wahlkreisen Mandate erringen zu k\u00f6nnen. Ob dann wirklich 10 oder vielleicht nur 5 oder 6 Abgeordnete dabei herauskommen, h\u00e4ngt von der genaueren Ausgestaltung der Verrechnungsregeln und von der Verteilung der Ergebnisse im restlichen Bundesgebiet ab. Das absolute Maximum l\u00e4ge aber bei 10.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hellorange:<\/strong> Anders verh\u00e4lt es sich bei der Tierschutzpartei, der PARTEI und Volt:<sup data-fn=\"343cb616-d128-4722-a044-5b99b40674ad\" class=\"fn\"><a href=\"#343cb616-d128-4722-a044-5b99b40674ad\" id=\"343cb616-d128-4722-a044-5b99b40674ad-link\">7<\/a><\/sup> Zwar h\u00e4tten sie nach dem 75.000-Stimmen-Schl\u00fcssel und gemessen an ihrer gesamten Stimmzahl Anspruch auf Mandate (zusammen 14). Sehr wahrscheinlich w\u00fcrden sie diese Stimmen aber aufgrund ihrer breiten geographischen Streuung nicht in Pl\u00e4tze im Bundestag umsetzen k\u00f6nnen. Denn es ist fraglich, ob sie \u00fcberhaupt irgendwo die Verrechnungsschwelle von bspw. 37.500 oder 40.000 Stimmen pro 2-Mio-Wahlkreis \u00fcberschreiten k\u00f6nnen &#8211; siehe das Beispiel aus Schleswig-Holstein oben.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Dunkelorange: <\/strong>diese Parteien \u00fcberschritten (mit Ausnahme der BASIS und B\u00fcndnis Deutschland) sowieso nicht die Schwelle von 75.000 Stimmen. Sie w\u00fcrden definitiv nicht einziehen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Statt der maximal 662 Abgeordneten, die sich aus der Zahl von 49.642.087 g\u00fcltigen Zweitstimmen ergibt, best\u00fcnde der 21. Deutsche Bundestag aufgrund der flexiblen Sperrklausel daher wahrscheinlich nur aus ca. 644 Abgeordneten. Es verfallen dann etwa 1,4 Mio. Zweitstimmen oder ca. 2,8% der g\u00fcltigen Stimmen &#8211; wiederum ein Anteil, der auch in den fr\u00fchen Jahren der Bundesrepublik mit 5%-Sperrklausel \u00fcblich war (siehe oben). Es w\u00e4ren zugleich deutlich weniger als die fast 7 Millionen Stimmen, die 2025 reell verfallen sind. Der Bundestag k\u00f6nnte mit deutlich mehr Berechtigung davon sprechen, den Willen der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler in seiner ganzen Breite und Vielfalt zu repr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Apropos Breite und Vielfalt: Die Verteilung der Abgeordneten w\u00fcrde dann wie folgt aussehen:<\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6a0241571e08d&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6a0241571e08d\" class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized has-custom-border wp-lightbox-container\" id=\"wp-block-themeisle-blocks-image-643a0f1b\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"400\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-2025-nach-Weimarer-Wahlrecht-4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-719\" style=\"border-width:1px;width:800px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-2025-nach-Weimarer-Wahlrecht-4.png 800w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-2025-nach-Weimarer-Wahlrecht-4-300x150.png 300w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/BT-2025-nach-Weimarer-Wahlrecht-4-768x384.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><\/figure>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst f\u00e4llt auf, dass sich der Grad der Fragmentierung in Grenzen h\u00e4lt &#8211; zumindest gemessen an dem, was die verbreitete Angst vor &#8222;Weimarer Verh\u00e4ltnissen&#8220; bef\u00fcrchten l\u00e4sst. Statt der aktuell sieben vertretenen Parteien (inkl. SSW und der beiden Unionsparteien) w\u00e4ren es wahrscheinlich zehn &#8211; kein fundamentaler Unterschied. Team Todenh\u00f6fer &amp; Co. w\u00fcrden jedenfalls nicht den Bundestag fluten und lahmlegen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"11-eine-andere-regierungsbildung-ist-m%C3%B6glich\">Eine andere Regierungsbildung ist m\u00f6glich!<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die gegenw\u00e4rtige Mehrheits- und Regierungsbildung h\u00e4tte der Wechsel im Wahlrecht aber einen deutlichen Einfluss. Denn die beiden Fraktionen, die derzeit auf die Bildung einer Bundesregierung hinarbeiten (Stand: 15.3.2025) h\u00e4tten nun keine Mehrheit mehr &#8211; entsprechend ihrem eingangs erw\u00e4hnten Resultat von zusammen 44,9% der Zweitstimmen. Was w\u00e4re sonst denkbar?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine kunterbunte Darstellung, aber diese M\u00f6glichkeiten und Unm\u00f6glichkeiten g\u00e4be es stattdessen:<\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;6a0241571f1d7&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"6a0241571f1d7\" class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized has-custom-border wp-lightbox-container\" id=\"wp-block-themeisle-blocks-image-2f05703c\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"351\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Koalitionsoptionen-2-1024x351.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-759\" style=\"border-radius:0px;width:800px\" srcset=\"https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Koalitionsoptionen-2-1024x351.png 1024w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Koalitionsoptionen-2-300x103.png 300w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Koalitionsoptionen-2-768x263.png 768w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Koalitionsoptionen-2-1536x527.png 1536w, https:\/\/www.andreasbraune.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Koalitionsoptionen-2-2048x703.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Vergr\u00f6\u00dfern\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Reihe nach (von links nach rechts):<\/p>\n\n\n\n<ul style=\"margin-top:var(--wp--preset--spacing--10);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--10)\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Ampel: Da gibt es wenig zu deuten: Abgew\u00e4hlt, selbst wenn nun die FDP doch einzieht.<\/li>\n\n\n\n<li>Linksb\u00fcndnis: Alle (au\u00dfen-)politischen und pers\u00f6nlichen Differenzen beiseite lassend: Es reicht bei weitem nicht. Weil es das Wahlergebnis nicht hergibt. Da hilft selbst der SSW nicht, egal ob er will oder nicht. Es k\u00e4me auch nirgends sonst auf ihn an.<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;SPD-Kanzler&#8220;: Mal angenommen, die SPD will die beiden Parteien ausbremsen, die vor ihr lagen und trotzdem den Kanzler stellen. Egal wie unrealistisch so ein 6- oder 7-Parteien-B\u00fcndnis auch ist: Es reicht nicht.<\/li>\n\n\n\n<li>&#8222;GroKo&#8220;: Die jetzt schon ziemlich kleine &#8222;gro\u00dfe Koalition&#8220; w\u00fcrde noch einmal schrumpfen &#8211; und wie beschrieben eine Mehrheit verfehlen!<\/li>\n\n\n\n<li>Auch wenn FDP und Freie W\u00e4hler vertreten w\u00e4ren: das &#8222;b\u00fcrgerliche&#8220; Lager unter Ausschluss der AfD w\u00e4re weit von einer eigenen Mehrheit entfernt.<\/li>\n\n\n\n<li>Es w\u00e4re demnach nur eine Dreier-Koalition politisch realistisch: Sowohl f\u00fcr eine &#8222;gr\u00fcne Mitte&#8220; wie eine &#8222;gelbe Mitte&#8220; w\u00fcrde es reichen, sicher nicht f\u00fcr eine &#8222;orangene Mitte&#8220;, zumal die 10 Mandate f\u00fcr die Freien W\u00e4hler optimistisch sind. Der Vorteil zur gegenw\u00e4rtigen Regierungsbildung: es g\u00e4be anstelle einer &#8218;Alternativlosigkeit&#8216; immerhin Optionen, was in einer Demokratie meist begr\u00fc\u00dfenswert ist.<\/li>\n\n\n\n<li>Eine konservativ-rechtsradikale<sup data-fn=\"86f9f67f-38b2-4be6-bb4c-c2c2a2e67102\" class=\"fn\"><a href=\"#86f9f67f-38b2-4be6-bb4c-c2c2a2e67102\" id=\"86f9f67f-38b2-4be6-bb4c-c2c2a2e67102-link\">8<\/a><\/sup> Koalition aus CDU\/CSU und AfD w\u00e4re rechnerisch m\u00f6glich, allerdings nur sehr knapp &#8211; mit 50,8% der Parlamentssitze deutlich knapper als aktuell, wo AfD und CDU\/CSU zusammen 55,2% der Sitze im Bundestag einnehmen. Je nach dem, wie genau die Verrechnungsregeln und damit die implizite Sperrklausel ausgestaltet sind und wie viele Mandate die kleineren Parteien wirklich realisieren k\u00f6nnen, k\u00f6nnte dies auch anders aussehen und scheitern (was der CDU\/CSU wahrscheinlich sogar lieb w\u00e4re). Sollte es nicht &#8218;reichen&#8216;, g\u00e4be es immerhin Erg\u00e4nzungsm\u00f6glichkeiten um die FDP oder die Freien W\u00e4hler. Zu Weimarer Zeiten h\u00e4tte man von einem &#8222;B\u00fcrgerblock&#8220; gesprochen, gegebenenfalls unter Duldung und Mitwirkung v\u00f6lkischer und rechtsradikaler Kr\u00e4fte. F\u00fcr heute also (hoffentlich) unwahrscheinlich.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"12-3-politische-fragen-zum-abschluss\">3 politische Fragen zum Abschluss<\/h2>\n\n\n\n<p>Bis hierhin ist das Ganze nicht viel mehr als ein Gedankenexperiment. Ein Vergleich der beiden Wahlrechtssysteme und ein &#8222;Was w\u00e4re, wenn&#8220; sind f\u00fcr sich genommen schon hilfreich. Denn sie helfen uns, Vorz\u00fcge, Nachteile, T\u00fccken und die Funktionsweise von Wahlsystemen besser zu verstehen. Das sind keine trivialen Fragen, denn ein Wahlsystem ist ein elementarer Bestandteil einer jeden Demokratie. Wird ein Wahlsystem dysfunktional, wird es irgendwann auch die Demokratie (siehe USA!). Und auch zu dieser Erkenntnis verhilft uns ein solches Gedankenexperiment: Wahlsysteme sind nicht in Stein gemei\u00dfelt. Sie sind anpassbar, es gibt immer Alternativen &#8211; nur muss man sachlich und behutsam damit umgehen, da es sich um ein so wichtiges Getriebeteil der Demokratie handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade deswegen stellt sich eine Vielzahl eher politischer Fragen, will man ernsthaft \u00fcber tiefgreifende Eingriffe in das Wahlrecht nachdenken. Drei davon seien herausgegriffen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"13-echt-jetzt-10-parteien-da-kriegen-wir-doch-nie-eine-regierung\">Echt jetzt? 10 Parteien? Da kriegen wir doch nie eine Regierung.<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Ziel einer stabilen und effektiven Regierungsbildung geh\u00f6rte immer zu den Hauptargumenten f\u00fcr die 5%-H\u00fcrde. Diesem Argument wohnt f\u00fcr mich schon immer ein etwas paternalistischer, auf die Exekutive fokussierter Zug inne: Das Parlament hat so auszusehen, dass es der zu w\u00e4hlenden Regierung passt. Das entspricht auch dem leicht autorit\u00e4ren Politikverst\u00e4ndnis der fr\u00fchen Bundesrepublik, das sich im Habitus mancher Parteien bis heute h\u00e4lt. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Geist der Demokratiegr\u00fcndung von Weimar war dagegen viel demokratischer als der von Bonn. Das Parlament sollte das Herzst\u00fcck der Demokratie werden und der Wille der W\u00e4hlenden m\u00f6glichst unverf\u00e4lscht dort abgebildet werden. Darauf haben die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler auch heute einen Anspruch. Die Erkenntnis sollte sich langsam auch beim Letzten durchgesetzt haben: Das Drei-Parteiensystem der Bonner 1970er ist Geschichte. Wenn es durch die starke gesellschaftliche Pluralisierung und vielf\u00e4ltigen politischen Problemlagen nun eben 8, 9 oder 10 relevante Parteien gibt, kann man davor nicht die Augen verschlie\u00dfen. Die Ampel-Regierung zerbrach ja auch daran, dass die Parteien bislang nicht gelernt haben, mit dieser neuen Situation konstruktiv umzugehen. Wenn nun aber Dreierb\u00fcndnisse zur neuen Normalit\u00e4t geh\u00f6ren, dann sollte man nicht auf das Wahlrecht hoffen, dass es einem doch noch mal eine Zweier-Mehrheit schenkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier bieten mehr Parteien im Parlament m\u00f6glicherweise die Chance und den n\u00f6tigen Antrieb, das endlich zu tun. Denn tendenziell steigen damit die Koalitionsoptionen, vor allem aber auch die Notwendigkeit zum Kompromiss. Und vielleicht er\u00f6ffnet es sogar die Chance dazu, aus dem engen Korsett von Koalition und Opposition zumindest etwas auszubrechen. Je nach Politikfeld k\u00f6nnten sich durchaus unterschiedliche Mehrheiten finden, und sich dabei sogar auf die starke Repr\u00e4sentativit\u00e4t dieser Mehrheit berufen. Es w\u00fcrde dem Parlamentarismus im Lande guttun, den bisherigen Regierungsbildungstrott mit hunderten Seiten an Koalitionsvertrag hinter sich zu lassen, deren Halbwertszeit ohnehin gering ist. Wollen wir mehr Parlamentarismus wagen, brauchen wir aber auch ein Parlament, das alle wichtigen gesellschaftlichen Positionen vertritt. Das macht das derzeitige nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"14-mehr-weimar-soll-gegen-mehr-weimarer-verh%C3%A4ltnisse-helfen-h%C3%A4\">&#8218;Mehr Weimar&#8216; soll gegen mehr &#8218;Weimarer Verh\u00e4ltnisse&#8216; helfen?? H\u00e4?<\/h2>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst ist festzuhalten: Die Weimarer Republik ist nicht an ihrem Wahlrecht &#8218;gescheitert&#8216;, sondern an einer Gesellschaft, die demokratiem\u00fcde und anf\u00e4llig f\u00fcr Radikalisierung war und an politischen Eliten, die sie gezielt zerst\u00f6rt haben. Es geh\u00f6rt zu den Mythen der alten Bundesrepublik, dass die 5%-H\u00fcrde den Aufstieg der NSDAP verhindert h\u00e4tte. Politische Radikalisierung stellt man politisch &#8211; und mit den Instrumenten der wehrhaften Demokratie. Ausblenden und darauf hoffen, dass das Problem von allein verschwindet, hilft da nicht. Das galt damals und gilt auch heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 5%-H\u00fcrde hat den Aufstieg der Rechtsextremen und ihr Festsetzen in den Parlamenten jedenfalls ganz offensichtlich nicht verhindert. Im Gegenteil: mittlerweile st\u00e4rkt sie sie. Auch die AfD profitiert erheblich davon, wenn 14% der Zweitstimmen verfallen. Sie besetzt nun 24,1% der Parlamentssitze, w\u00e4hrend ihr Wahlergebnis bei 20,8% lag. Hier wird aus einer F\u00fcnftelpartei (schlimm genug!) ohne Not fast eine Viertelpartei gemacht &#8211; mit der entsprechenden Zahl an zus\u00e4tzlichen Mandaten, Redezeit und Fraktionsgeldern. Die Beispielrechnung oben zeigt es: Mit dem Weimarer Wahlrecht w\u00e4ren 14 Rechtsextreme weniger im Parlament &#8211; immerhin.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt: mehr Parteien im Parlament hei\u00dft auch, dass sich die Rechtsextremen viel weniger als einzige &#8222;Alternative&#8220; zu den &#8222;Alt-Parteien&#8220; aufspielen k\u00f6nnten. Die Stimmen und Debatten im Bundestag w\u00e4ren vielf\u00e4ltiger, und auch von den Oppositionsb\u00e4nken k\u00e4men viele verschiedene Stimmen. Der politische Diskurs k\u00f6nnte offener, und auch ehrlicher werden, gemessen an den verschiedenen Positionen, die es in der Gesellschaft gibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\" id=\"15-ist-das-nicht-total-unrealistisch-das-wird-doch-eh-nicht-beschlossen\">Ist das nicht total unrealistisch? Das wird doch eh nicht beschlossen.<\/h2>\n\n\n\n<p>Nun ja, da ist was dran. Zumindest klingt es zun\u00e4chst unwahrscheinlich. Denn eine solche Umstellung br\u00e4chte den Parteien, die sie beschlie\u00dfen m\u00fcssten, erkennbare Einbu\u00dfen bei den Mandaten. Das gilt gerade in einem Bundestag mit sehr hoher Verzerrungsquote, wie wir ihn nun haben. Gleichwohl: Die Debatten um das Wahlrecht werden uns weiter begleiten, und dabei hilft es sehr, auch solche Orientierung bez\u00fcglich einer immerhin denkbaren Alternative zu haben, die sogar schon einmal demokratische Praxis in Deutschland war.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem: Wir leben in disruptiven Zeiten, in der die Gewissheiten von gestern schon heute oder morgen nichts mehr wert sein k\u00f6nnen. Dass auch in der Politik und im Staatshandeln in Zukunft einiges anders gemacht werden muss, als wir es gewohnt sind, zeigt die zur Zeit laufende Debatte um eine tiefgreifende &#8218;Staatsreform&#8216;. Auch wenn dort bislang nicht vom Wahlrecht die Rede ist, geh\u00f6rt die Frage durchaus auf die Agenda: Wie zeitgem\u00e4\u00df ist unser alt-Bonner Mischsystem f\u00fcr die Demokratie im 21. Jahrhundert eigentlich noch? Etwas weniger als man denkt? Dann k\u00f6nnte eine weiterf\u00fchrende Frage lauten: Wollen wir mehr repr\u00e4sentative Demokratie wagen, indem wir mehr &#8218;Weimar&#8216; wagen?<\/p>\n\n\n\n<p>Und wer wei\u00df&#8230;. vielleicht z\u00fcndet die Idee ja durch&#8230; \ud83d\ude42<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr gern Fragen, Kritik und Kommentare unten hinterlassen. Dann gibt es bald einen zweiten Teil, in dem ich die aufgreifen werde.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"3cb8bb73-e14b-46be-8e58-3d319902e828\">Achtung: Der Beitrag entstand in den ersten Wochen nach der Bundestagswahl und wurde vor der Ver\u00f6ffentlichung des amtlichen Endergebnisses am 14.3. abgeschlossen. Die hier verwendeten Zahlen basieren auf dem zuvor zug\u00e4nglichen vorl\u00e4ufigen Endergebnis. <a href=\"#3cb8bb73-e14b-46be-8e58-3d319902e828-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"3eda469e-87af-48c1-81b7-9a646d267506\">2013 verfielen 6.859.439 Stimmen und damit 44.200 mehr als 2025. Allerdings war damals die Wahlbeteiligung auch deutlich niedriger.  <a href=\"#3eda469e-87af-48c1-81b7-9a646d267506-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 2 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"45ad2189-1d62-4d4e-a23e-46eb80d73b7b\">Siehe die Zusammenstellung <a href=\"https:\/\/www.wahlrecht.de\/lexikon\/wahlkreisverband.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>. <a href=\"#45ad2189-1d62-4d4e-a23e-46eb80d73b7b-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 3 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"950eb4b6-a124-47ac-82ad-c0819ca84d22\">Schleswig-Holstein k\u00f6nnte sich \u00fcberlegen, ob es landsmannschaftliche Trennung zwischen Schleswigern und Holsteinern bevorzugt, oder doch eine \u00fcbergreifende Landesidentit\u00e4t. Mit ca. 3 Millionen Einwohnern sollten beide L\u00f6sungen praktikabel sein: ein oder zwei Wahlkreise. <a href=\"#950eb4b6-a124-47ac-82ad-c0819ca84d22-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 4 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"5339ab02-5257-4fda-b0eb-469c62c5a22b\">In Bremen gab es 2025 ca. 350.000 g\u00fcltige Zweitstimmen (<a href=\"https:\/\/www.bundeswahlleiterin.de\/bundestagswahlen\/2025\/ergebnisse\/bund-99\/land-4.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>), im Saarland ca. 600.000 (<a href=\"https:\/\/www.bundeswahlleiterin.de\/bundestagswahlen\/2025\/ergebnisse\/bund-99\/land-10.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>). In Bremen schaffte nur die SPD mehr als 75.000 Zweitstimmen, aus dem Saarland z\u00f6gen immerhin ein Abgeordneter der SPD, zwei der CDU und einer der AfD sicher in den Landtag ein. In beiden L\u00e4ndern m\u00fcssten die \u00dcbrigen auf die Verrechnung in einem Wahlkreisverbund hoffen, wobei einige Parteien ganz gute Aussichten h\u00e4tten. Zumindest bei Bremen m\u00fcsste man \u00fcber die Zuordnung zu einem nieders\u00e4chsischen Wahlkreis nachdenken. Bei den Wahlkreisen der Weimarer Republik kam es \u00f6fters zu solchen \u00dcberschneidungen zwischen zwei oder sogar mehr L\u00e4ndern. Bremen geh\u00f6rte etwa schon damals zum Wahlkreis &#8222;Weser-Ems&#8220;, in dem noch zwei andere L\u00e4nder vertreten waren: die preu\u00dfischen Regierungsbezirke Aurich und Osnabr\u00fcck sowie der Landesteil Oldenburg des Freistaats Oldenburg, der damals noch ein eigenst\u00e4ndiges Land war. Und in Sachen Berlin: vielleicht probiert man es ja mal mit einer Nord-S\u00fcd-Teilung&#8230; \ud83d\ude09  <a href=\"#5339ab02-5257-4fda-b0eb-469c62c5a22b-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 5 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"847c9878-d633-4c93-ac62-9034709c3f85\">Hier wird in Anlehnung an das Weimarer Wahlrecht angenommen, dass die Verrechnungsgrenze bei der H\u00e4lfte der n\u00f6tigen Mandatsstimmen liegt, also nicht wie damals bei 30.000, sondern nun bei 37.500. Dieser Wert ist wichtig, weil er die Verrechnungsm\u00f6glichkeiten kleiner Parteien stark beeinflusst und damit festlegt, wie hoch die &#8218;flexible Sperrklausel&#8216; liegt. Hebt man diesen Wert moderat an, bspw. auf 40.000, steigert dies den &#8218;Sperrklauseleffekt&#8216; noch einmal etwas. Die H\u00fcrde f\u00fcr das Erringen eines Mandats l\u00e4ge dann in diesem Fall im Wahlkreis SH und bei dieser Wahl bei 2,13%. Bei diesen Werten ist zu ber\u00fccksichtigen, dass der ausgew\u00e4hlte Wahlkreis SH mit fast 3 Mio. Einwohnern einer der gr\u00f6\u00dften w\u00e4re. In den anderen Wahlkreisen, die n\u00e4her an der 2-Mio-Gr\u00f6\u00dfe liegen, l\u00e4ge die Sperrklausel entsprechend h\u00f6her, im &#8222;Wahlkreis Th\u00fcringen&#8220; etwa bei 2,83% (Schwelle bei 37.500) bzw. 3,02% (bei 40.000). Man sieht auch: die ver\u00e4nderten demographischen Bedingungen gegen\u00fcber der Weimarer Republik f\u00fchren dazu, dass die Verrechnungsh\u00fcrde in Prozent heute h\u00f6her l\u00e4ge als damals. <a href=\"#847c9878-d633-4c93-ac62-9034709c3f85-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 6 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"343cb616-d128-4722-a044-5b99b40674ad\">Sorry Ihr drei, zum Teil w\u00fcnschte ich, Euch mehr Hoffnung machen zu k\u00f6nnen. <a href=\"#343cb616-d128-4722-a044-5b99b40674ad-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 7 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"86f9f67f-38b2-4be6-bb4c-c2c2a2e67102\">Ich folge in diesem Sprachgebrauch weiterhin der Hape-Kerkeling-Doktrin, derzufolge eine &#8222;in Teilen&#8220; rechtsradikale Partei in G\u00e4nze rechtsradikal ist. <a href=\"#86f9f67f-38b2-4be6-bb4c-c2c2a2e67102-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 8 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn schon &#8222;Weimarer Verh\u00e4ltnisse&#8220;, dann immerhin auch im Wahlrecht. Was zun\u00e4chst etwas abwegig und gewagt klingt, k\u00f6nnte unserer Demokratie gut tun. Denn das Wahlrecht der Weimarer Republik ist besser als sein Ruf. Was w\u00e4re, wenn wir es wieder einf\u00fchren? Wie repr\u00e4sentativ ist der neue Bundestag? Mit der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 sind die Debatten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":760,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"Wenn schon \"Weimarer Verh\u00e4ltnisse\", dann immerhin auch im Wahlrecht. Was zun\u00e4chst etwas abwegig und gewagt klingt, k\u00f6nnte unserer Demokratie gut tun. Denn das Wahlrecht der Weimarer Republik ist besser als sein Ruf. Was w\u00e4re, wenn wir es wieder einf\u00fchren?","jetpack_seo_html_title":"Mehr Demokratie wagen? 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